Unterwegs - Geschichten aus der Schulzeit

 

Unterwegs seit meinem elften Lebensjahr zuerst als Fahrschüler zum Gymnasium Neunkirchen, danach als Tramper auf den Straßen erlebte ich die ersten Abenteuer außerhalb meiner dörflichen Heimat. Als Tramper durchs Rhonetal wie auch auf den anderen Straßen meiner Heimat lernte ich Land und Leute kennen und verstehen.
Die Schulzeit am Gymnasium Neunkirchen war gleichzeitig auch Zeit pubertärer Erfahrungen sowohl im Umgang mit dem anderen Geschlecht als auch mit dem damals noch autoritären Paukbetrieb.

Zu der Zeit gab es im Kreis Ottweiler, nur zwei Bildungsanstalten an denen man die Hochschulreife erlangen konnte. Für Schüler männlichen Geschlechtes war dies das Realgymnasium, für die weiblichen Geschlechtes das Lyzeum. Beide lagen in der Hüttenstadt Neunkirchen, von der Wohnstadt durch ein Tal getrennt in Sichtweite zueinander. Dazwischen in einer Mulde lag der von Schülern beider Schulen genutzte Sportplatz. …. Die Eisenbahnfahrt führte über den Umsteigebahnhof Wemmetsweiler nach Neunkirchen. Sie dauerte eine volle bis anderthalb Stunden. Dazwischen lagen gut ein Dutzend Bahnhöfe. Je weiter die Schüler von Neunkirchen weg wohnten, desto mehr waren sie aufeinander angewiesen, um durch eine rationelle Arbeitsteilung in den Genuss der Freizeit zu kommen, wie sie die näher wohnenden Schüler hatten. .....Morgens wurden die von den Anderen vorgefertigten Hausaufgaben im Zug eiligst abgekupfert, wobei man besser eine ganz persönliche Eigennote berücksichtigte, damit das Abkupfern nicht zu sehr auffiel. ..... Die Wahl des humanistischen Zweiges erwies sich, trotz aller Mithilfe von Mitschülern letztlich als glatter Missgriff. .... Im Verlauf von vier Jahren war aus dem schmächtigen und verträumten Jungen ein hellwacher, pubertierender, übergewichtiger und aufsässiger Jugendlicher geworden. Krankheitsbedingte Fehlzeiten, die Auswirkungen beginnender Pubertät sowie eine zum Himmel stinkende Faulheit führten dazu, dass mir ab dem Ende der Quarta nichts mehr zuwider war als die Schule.